DROps Kritik
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Fluglärmpausen statt Dauerbelästigung durch Fluglärm

Planfeststellungsbeschluss und Betriebskonzept des BER

Zitat: MIL, Aktenzeichen 44/1-6441/1/101, Planfeststellungsbeschluss Ausbau Verkehrsflughafen Berlin-Schönefeld, S. 409

„Um das den Planungen zugrunde liegende Verkehrsaufkommen von 360.000 Flugbewegungen mit einem Zweibahnsystem bewältigen zu können, ist es erforderlich, dass die beiden Bahnen unabhängig voneinander betrieben werden können.“


Der festgestellte Plan schreibt keineswegs den gemischten Parallelflugbetrieb vor. Vielmehr lassen sich Hinweise finden, die auf das Gegenteil hindeuten, nämlich den entmischten Parallelflugbetrieb. Die ICAO weist darauf hin, dass entmischter Parallelflugbetrieb – siehe Heathrow (LHR) – unter Umständen die effizientere Betriebsart ist, wenngleich theoretische Studien scheinbar für den gemischten Parallelflugbetrieb sprechen.

Gemischter Parallelflugbetrieb – muss nicht sein

Ganz in diesem Sinne gingen die Planer des BER von der Trennung des ankommenden und abfliegenden Verkehrs aus, um ein möglichst kreuzungsfreies und zügiges Rollen am Boden zu erreichen. Dementsprechend waren unter dem Vorfeld des Terminals 1 zwei Tunnel zum Transfer von Passagieren bzw. Gepäck geplant, die beide nicht gebaut wurden.

Um dennoch geparkte Luftfahrzeuge auf den Außenpositionen gegenüber dem Terminal 1 bedienen zu können, hat die Flughafengesellschaft zwei von drei im Planfeststellungsbeschluss festgelegte Rollwege für Luftfahzeuge abschnittsweise gesperrt. Dieser Mißbrauch von Flugbetriebsflächen als Betriebsstraße für Bodenverkehrsdienste soll die als Tunnel geplante Querung dieser Rollwege mehr schlecht als recht ersetzen. Damit werden zwei wichtige Rollwege unterbrochen, auf denen Luftfahrzeuge vom nördlichen Teil des BER in den südlichen Teil oder umgekehrt rollen sollten. De facto wird damit der BER in zwei „virtuelle Höfe“ geteilt. Diese willkürliche Zweckentfremdung von Rollwegen für Luftfahzeuge verhindert letztendlich den entmischten Parallelflugbetrieb als Voraussetzung für segmentierte Anflüge tagsüber oder andernfalls die am Zielflughafen orientierte Auswahl der Startbahn.

Wohl um Bestrebungen nach entmischtem Parallelflugbetrieb einzudämmen, bediente sich die DFS GmbH ihres Nutzungskonzepts bei Schließung einer Bahn und verkaufte es als DROps-Konzept, allerdings nur für 23:30–05:30 Uhr. Dafür modellierte die AG Betriebsregelung zwölf Varianten. Sollte ein verbesserter Lärmschutz wahrhaftig beabsichtigt gewesen sein, war das aufgrund der ohnehin schon geltenden Nachtruhe vergeblich. Offenbar sollte das ganze Tamtam nur vom entmischten Parallelflugbetrieb ablenken. Weshalb der aber außerhalb der Nachtruhe nicht durchführbar sein soll, dafür blieb die DFS GmbH bis heute jedwede stichhaltige Begründung schuldig.


Entmischter Parallelflugbetrieb am BER | Videoaufzeichnung

Zwischenzeitlich erbrachten Fluglotsen der DFS GmbH den Beweis, dass entmischter Parallelflugbetrieb auch zur Hauptverkehrszeit durchführbar ist. Eine Aufzeichnung des Flugbetriebs vom 15. August 2022 zeigt, dass an einem normalen Werktag stundenlang die Südpiste ausschließlich als Landebahn sowie die Nordpiste entsprechend als Startbahn unabhängig voneinander genutzt wurden. Die Behauptung, entmischter Parallelflugbetrieb sei tagsüber nicht durchführbar, entpuppte sich damit als dreiste Lüge.

Das Umweltbundesamt hielt die Behauptung, dass aus Kapazitätsgründen die Anwendung eines DROps-Konzepts außerhalb der Nachtzeit nicht möglich sei, von Anfang an für nicht schlüssig. Es empfahl daher schon 2012, dass die DFS GmbH rasch ein DROps-Konzept für den Flughafen BER ausarbeitet, das Vorschläge sowohl für den Tag als auch für die Nacht enthält. Dabei sind auch detaillierte Aussagen über die zu erwartende Fluglärmbelastung zu treffen. Ausdrücklich wird auch auf die wechselseitige Nutzung der Start- und Landebahnen in London-Heathrow hingewiesen.

Die Landesregierung Brandenburg besteht nicht darauf, gleichzeitige Starts oder gleichzeitige Landungen am BER durchzuführen, wenn dies aufgrund des Verkehrsaufkommens operativ nicht erforderlich ist. Das Umweltministerium Brandenburg unterstützt in seinem Bericht zur Lärmaktionsplanung im Umfeld des Flughafens Berlin Brandenburg das „Konzept Lorber“, indem es empfiehlt, das Konzept der flugbetriebsfreien Zeiten (Lärmpausen) für die einzelnen bahnbezogenen Betriebsrichtungen weiterzuverfolgen. Dennoch hatte die von der Staatskanzlei Brandenburg geleitete AG Betriebsregelung nur für die Nachtruhe DROps in Betracht gezogen. Noch befremdlicher wirkt es, dass sich das Landesamt für Umwelt Brandenburg (als Landesoberbehörde direkt dem Umweltministerium unterstellt) in der FLK gegen entmischten Parallelflugbetrieb positioniert.

Entmischter Parallelflugbetrieb – so oft und so lange wie möglich

Laut Studie der Flughafengesellschaft können auf einer Bahn mindestens 35 Starts pro Stunde abgewickelt werden. Auch die Genehmigungsbehörde nennt diese Zahl. Frühestens bei Überschreiten dieser Anzahl pro Stunde sind zeitgleiche Starts auf beiden Pisten erforderlich. Insofern muss der DFS GmbH widersprochen werden, DROps sei tagsüber nicht durchführbar. Es kommt lediglich darauf an, dass dieser in geeigneter Art und Weise durchgeführt wird und bei Notwendigkeit jederzeit zum gemischten Parallelflugbetrieb gewechselt werden kann.

Die seitens der DFS GmbH stündlich anzubietende Kapazität gebietet, dass beide Bahnen unabhängig voneinander betrieben werden. Wenn jedoch wie beim DROps-Konzept der DFS GmbH eine Piste ungenutzt bleibt, verhindert das den entmischten Parallelflugbetrieb tagsüber und belästigt die Betroffenen mehr als nach den Umständen unvermeidbar. Selbst bei gleichem energieäquivalenten Dauerschallpegel macht es für die Betroffenen einen Unterschied, ob sie von früh am Morgen bis in die Nacht oder nur die halbe tägliche Betriebszeit von Flugzeugen beschallt werden.

Das BER DROps-Verfahren benötigt anders als andere DROps-Konzepte keine speziellen Ab- und Anflugverfahren, sondern nur zum Teil die, mit denen bei Bedarf auch gemischter Parallelflugbetrieb durchgeführt werden kann. Es bewirkt aber durch entmischten Parallelflugbetrieb längere Lärmpausen, belästigt zehntausende Betroffene weniger mit Fluglärm und mindert dabei CO2‑Emissionen.

Webpräsenz Achim Lorber | Stand: 15.05.2026

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